09:15h, Mittwoch 10.03.2010
Allianzen für Lippe(qualität) schmieden
Mindermann warnt Verbraucher vor Schein-Regionalität
Kreis Lippe. Der Trend ist unbestritten: Verbraucher wollen Produkte aus der Region kaufen, und sie sind zu einem großen Teil auch bereit, für eine höhere regionale Qualität mehr zu bezahlen. Das machte jetzt Sven Mindermann, stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbandes Regionalbewegung, auf Einladung des Vereins „Lippequalität“ in Detmold deutlich. Das Problem: Woran lassen sich regionale Produkte zweifelsfrei erkennen?
Mindermann erläuterte, dass auch die großen Ketten im Lebensmitteleinzelhandel angebliche Regionalität als Werbefaktor einsetzten. „Dabei handelt es sich jedoch oft nur um Schein-Regionalität. Objektive Kriterien dafür gibt es zumeist nicht. Und die Verbraucher haben kaum Möglichkeiten, diese Täuschungsversuche als solche zu erkennen.“ Mindermann warb deshalb für ein regionales Gütesiegel, das nicht an Produkte sondern an Organisationen wie Lippequalität vergeben werden könne. Dahinter müssten objektive Kriterien für Regionalität, ein unabhängiges Kontrollsystem und – im Falle von Verstößen – auch wirksame Sanktionen stehen. Eine Idee, die unter den Anwesenden für lebhafte Diskussionen darüber sorgte, ob ein weiteres Siegel sinnvoll sei, oder neben vielen anderen Siegeln und Logos nur zu Verwirrung beim Verbraucher führe.
Mindermann attestierte Lippequalität als Verein für Regionalvermarktung auf einem guten Weg zu sein. Das Rezept, um auch langfristig erfolgreich zu arbeiten, seien „Regionale Allianzen“. Diese benötigten auf der einen Seite ein wirtschaftliches Standbein mit landwirtschaftlichen Betrieben, örtlichem Handwerk, Einzelhandel, regionalen Finanzdienstleistern und anderen mehr. Auf der anderen Seite sei aber auch ein ideelles Standbein nötig, also die Unterstützung durch Politik, Verwaltungen, Kirchen, Naturschutzverbände und Gewerkschaften. Eine Forderung, mit der Mindermann bei Lippequalität auf offene Ohren stieß. Denn die Vereinsmitglieder hatten unmittelbar zuvor in ihrer Jahreshauptversammlung beschlossen, einen Lippequalität-Freundeskreis ins Leben zu rufen. Diesem sollten Unternehmen, Einrichtungen, Verbände und Einzelpersonen beitreten können, die die Ziele von Lippequalität unterstützen, aber sich nicht als Mitglieder engagieren wollen.
„Die Regionalinitiativen müssen raus aus ihrer Nische, öffentliches Bewusstsein für die Regionalidee schaffen und nach neuen Kooperationspartnern suchen“, schrieb Mindermann auch Lippequalität ins Stammbuch. Dabei dürfe die Regionalidee nicht auf Produktion und Verkauf von Lebensmitteln verengt werden. „Wir müssen uns dem Problem wegbrechender Strukturen auf dem Lande und dem demographischen Wandel stellen. Es geht auch um den örtlichen Handwerker, um nachhaltige Energieversorgung vor Ort, um den Erhalt von Schulen auf dem Dorfe und vieles mehr.“ Dabei seien zum Beispiel die örtlichen Sparkassen und Volksbanken mit ihrer regionalen Bindung die geborenen Partner der Regionalbewegung, denn auch sie bräuchten ein wirtschaftlich starkes Umfeld, um selbst erfolgreich zu sein.
Foto: Eine starke Regionalbewegung wünschte sich Sven Mindermann vor mehr als 50 Mitgliedern und Gästen von Lippequalität auch für Ostwestfalen und Lippe.
tina.schell
Der Beitrag wurde am Mittwoch, dem 10. März 2010 um 09:15 Uhr veröffentlicht und wurde unter Startseite, Lokales abgelegt.
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